Der Hufmechanismus und seine Bedeutung

Über den Hufmechanismus wurde bereits viel geschrieben und veröffentlicht. Auch sorgt das Thema immer wieder für (zum Teil hitzige) Diskussionen innerhalb der Berufsgruppen Hufbearbeiter und Tiermediziner bzw. Therapeuten.

 

Was ist der Hufmechanismus?

Unter Hufmechanismus ist, vereinfacht beschrieben, die Verformung des augenscheinlich starren Gebildes Huf zu verstehen. Diese Verformung findet bei jedem Auf- und Abfußen jedes Equiden statt.

Ich werde in diesem Beitrag aufzeigen, wie flexibel die scheinbar starre Hufkapsel in Wirklichkeit ist.

 

Was genau verformt sich am Huf?

Durch die erhöhte Druckbelastung beim Auffußen wird die vordere, obere Zehenwand nach hinten-unten gedrückt. Sowohl der untere Teil der Zehenwand als auch der Tragrand der Zehe bewegen sich – entgegen der Meinung mancher – nicht. An der weitesten Stelle findet ebenfalls keine Bewegung statt. Die Bereiche der Trachtenwände erweitern sich jedoch vom Kronrand ausgehend – also am Kronrand stärker, in Richtung Tragrand verringernd.

Die Sohle wird nur im Bereich ihres tiefsten Punktes geringfügig flacher. Die Veränderung wird geringer in Richtung des Tragrands, bis am Übergang zur „weißen Linie“ schließlich gar keine Bewegung mehr stattfindet.

Der Strahl erhält durch diese Abflachung bestenfalls Bodenkontakt bzw. bewegt sich zumindest in Richtung Boden.

Die Ballen senken und weiten sich ebenfalls.

Früher ist man davon ausgegangen, dass durch den Gegendruck zum Boden diese Bewegungen ausgelöst werden. Richtigerweise stammen sie aber aus dem Aufhängungssystem „Hufbeinträger“ (der Verbindung des Hufbeins mit der Hornkapsel über eine lammellenförmigen Struktur). Hierdurch wird die von oben kommende Druckkraft in eine Zugkraft umgewandelt.

Verringert sich die Druckbelastung beim Abfußen, verengt sich der Huf wieder, d.h. die Ballen nähern sich einander an. Das Blut wird wieder in den Kreislauf gedrückt („gepumpt“).

 

Sinn oder Unsinn „Hufpumpe“?

Beim Auffußen wird das Gefäßsystem weitgestellt und es entsteht ein Effekt, der vergleichbar mit einer Saugpumpe ist. Das bedeutet, es wird vermehrt Blut in den Huf einströmen.

Die Elastizität ist für die Stoßdämpfung bzw. Stoßbrechung enorm wichtig und unterstützt somit auch Gelenke, Sehnen und Bänder bei ihren Aufgaben, schützt sie aber auch.

Durch den Bodenkontakt des Strahls erhält das Nervensystem über entsprechende Nervenendigungen Rückmeldung über die Beschaffenheit des Bodens.

Insbesondere bei einer erhöhten Belastung kann der Hufmechanismus den gesamten Kreislauf positiv unterstützen. Aus meiner Sicht aber ist die Theorie der „Blutpumpe Huf“ bzw. die Theorie der „vier zusätzlichen Herzen“ ein wenig übertrieben, wenn man bedenkt, dass bei diesem Vorgang „nur“ ca. die Hälfte eines Schnapsglases Blut bewegt wird.

Dennoch fördert der Mechanismus unbestritten die Durchblutung der Huflederhaut massiv; Schlack- und Giftstoffe werden aus dem Huf abtransportiert. Eine gute Durchblutung der Huflederhaut ist wiederum die Grundvoraussetzung für ein gesundes Hornwachstum und beeinflusst die Qualität des gebildeten Horns maßgeblich.

 

Beschlag und andere Hufschutzarten

Ein Hufschutz kann diesen natürlichen Hufmechanismus einschränken bzw. nahezu zum Erliegen bringen. Die Fähigkeit, Bodenunebenheiten auszugleichen (vertikaler Hufmechanismus) wird z. B. bei Eisenbeschlägen komplett unterdrückt. Das bedeutet, die Kompensation muss in den darüberliegenden Gelenken erfolgen und belastet diese hierdurch stärker.

Den Eisenbeschlag generell zu verteufeln, ist aus meiner Sicht allerdings ebenso falsch wie diesen als einzigen Hufschutz in Betracht zu ziehen oder pauschal zu sagen, dass jedes Pferd auf Dauer barhuf laufen kann. Ein Hufschutz sollte u. a. immer nach dem aktuellen Verhältnis von Abnutzung und Erneuerung des Horns, nach der Nutzung, ggf. den orthopädischen Erfordernissen und vielen anderen Faktoren ausgewählt werden. Es gibt eine große Auswahl an alternativen Hufschutzarten wie beispielsweise Hufschuhe, Aluminium-, Kombi- und Kunststoffbeschläge oder Klebehufschutz.

Gerne berate ich Sie zu den Möglichkeiten der bei Ihrem Pferd in Frage kommenden Ausführungen und bei der Entscheidung für eine bestimmte Hufschutzvariante.

 

Fazit

Ein funktionierender Hufmechanismus ist für gesunde Hufe und somit wiederum für die Gesundheit des gesamten Pferdes ausgesprochen wichtig. Insbesondere durch korrekt ausgewählten und ausgeführten Hufschutz (sofern dieser überhaupt notwendig ist), regelmäßige Hufpflege und genügend Bewegung können wir einen entscheidenden Beitrag zur Gesunderhaltung der Hufe leisten. Ebenso bedeutsam sind aber natürlich auch die Faktoren artgerechte Haltung und Ernährung.